Jede Frau hat eine und ist eine ...

Ich sitze am Fenster nach einer durchwachten Nacht... Gestern waren wir in der Notaufnahme mit einem unserer Kinder. Ich sah all die Menschen, die dort arbeiten, die kommen und die gehen und lernte das Leben neu schätzen. Ich empfand eine so tiefe Dankbarkeit für alles, was ich habe und leben darf. Die Trotz- und Wutattacken waren vergessen und ich war einfach nur noch von Liebe erfüllt.

 

Ich wurde überflutet von einer Welle von Dankbarkeit meiner Mutter gegenüber. Sie hat mir dieses Leben geschenkt. Es ist eine Reise - manchmal angenehm und voller schöner Erlebnisse, manchmal eine zehrende Wanderung durch Geröllberge von Herausforderungen, bei der Schweissperlen und Tränen kullern. Muttersein ist nicht immer einfach und es gibt Momente, da möchte man gern davon laufen und dennoch ist es das Grösste im Leben einer Frau.

 

Wie oft sind wir versucht, unserer Mutter die Schuld zu geben für das, was wir erleben und wie wir das Leben erleben. Unser Verhältnis zu ihr hat uns zwar geprägt, aber für unser Leben sind wir ganz allein verantwortlich. Jede Mutter tut das Beste und das, was sie kann. Jeder macht Fehler und ist hinterher klüger. Im Verstehen wird vieles leichter. Im Verzeihen finden wir Frieden und werden frei, selber glücklich zu leben, auch wenn es unsere Mütter nicht geschafft haben. Sie gaben uns genau das Startkapital, was wir für unser Leben brauchen, für das, was wir uns vorgenommen haben, das, was wir lernen und erfahren wollen - auch wenn wir uns manchmal nicht daran erinnern können oder unser Denken es nicht zulassen mag.

 

Wahre Liebe kennt keine Bewertung, keine Schuldzuweisung und keine Abhängigkeiten. Wahre Liebe ist und macht frei. Manche Erlebnisse, die wir als Kind hatten, sind so traumatisch, dass es uns fast nicht gelingt, im Schmerz die Liebe zu sehen. Und dennoch ist sie da. Lasst und vergeben und verzeihen und die wundersame Wirkung eines "Danke, Mama!" erleben. es öffnet das Herz, schenkt Frieden und Heilung. Es ist ein Geschenk, das verfielfältigt zu uns zurückkehrt.

 

Was mir lange verborgen blieb, ist die Erkenntnis, dass jede Frau eine Mutter ist - auch wenn sie keine Kinder hat.

 

Kinder kommen in verschiedenen Formen – als leibliche Kinder, als Projekte, als Ideen, als innere Kinder… Das innere Kind ist etwas, das sich in letzter Zeit bei allen Frauen immer mehr zeigt. Es steht für alles Unbewusste, all unser Potenzial, unsere Gefühle, unseren Schmerz, unsere Grösse. Es trägt alles, was uns als Kind begegnet ist und verlangt unsere Aufmerksamkeit, unsere Liebe und Zuwendung. Es möchte in den Arm genommen und getröstet werden; es will gehört und beachtet werden; es braucht Fürsorge – genau wie ein richtiges Kind. Fast sogar noch mehr, weil es uns nur gut geht, wenn wir acht- und sorgsam mit unserem inneren Kind umgehen, es hören und sehen.

 

Und nur wenn es uns gut geht, geht es auch unseren Kindern, unserer Familie, unseren Projekten und Ideen gut; nur dann können wir uns wirklich um sie kümmern, aus dem Vollen schöpfen. Anderenfalls fühlen wir uns leer, energiearm, von der Liebe verlassen; das Leben scheint oft anstrengend und schwer.

 

Unser inneres Kind sitzt in unserem Bauch-/Beckenraum und macht sich oft sogar über körperliche Symptome bemerkbar. Ich arbeite mit vielen Frauen, die Schwangerschaftssymptome haben, es aber nicht sind; die heftige Wechseljahrbeschwerden haben; kaum zu ertragende Schmerzen bei der Menstruation, diverse Störungen im unteren Rückenbereich und undifferenzierbare Schmerzen, die wandern und oft medizinisch keine Erklärung finden. Es sind Aufforderungen unseres Körpers, sich um uns selbst, unsere Weiblichkeit, unser Frausein und unsere inneren Kinder zu kümmern. Es ist wie eine Schwangerschaft mit uns selbst, die auch genau solche Symptome machen kann. Jede Schwangerschaft ist individuell und dauert verschieden lang – je nachdem wie lange wir dem Thema gegenüber blind und taub waren.

 

Am Ende steht eine oft schmerzhafte mit unglaublich kraftvollen Wehen verbundene Geburt des eigenen Selbst – dessen, wonach wir uns so sehr sehnen. Je nachdem wie unser Verhältnis zur eigenen Mutter und zur weiblichen Abstammungslinie ist, gelingt dies leichter oder schwieriger.

 

Frau kann diesen Prozess ganz alleine machen – er passiert sowieso – oder sich begleiten lassen, verstehen, daran und damit bewusst wachsen.

 

Lasst Euch ein auf Euch selbst auf Euren Körper und auf Eure inneren Kinder; öffnet Euch für das, was da in Euch reift, wachsen will gebärt Euch neu, um Euch in Eurer vollen Kraft und Schönheit zu leben!

 

Viel Kraft, Vertrauen, Liebe und Mut für Euer Mutterwerden und -sein!

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Kommentare: 2
  • #1

    Regula (Sonntag, 14 Mai 2017 13:43)

    Liebe Hanna
    Ich danke Dir für die Worte, die mein Innerstes erreichen, es berühren und jubeln lassen. Das ist es, wahrhaftig, darauf will ich mich einlassen. Immer wieder von neuem immer wieder wenn mein kleines Mädchen mir sagt: "Mama, tuesch guet luege, Mama säuber luege!". Dann weiss ich, es ist wieder Zeit mich ernsthafter um mich zu kümmern und wirklich etwas für mich tun zu wollen!
    Wir haben das Thema in unserem monatlichen Göttinnentreff aufgegriffen und wollen uns gegenseitig darin unterstützen. Wahrhaft, ein solcher Treffpunkt wäre für uns Mütter und Frauen ein Geschenk anstelle der zahlreichen Kurse, wo wir Methoden lernen sollen, die uns im Alltag unterstützen könnten!

    Auf uns Mütter und Frauen in all unseren zahlreichen Facetten!

  • #2

    Hanna (Montag, 15 Mai 2017 12:05)

    Liebe Regula,
    Danke für Deinen schönen Beitrag. Tolle Sache, Eure Treffs!
    Ja Du hast absolut Recht. Es geht darum, als Frau in unsere Kraft zu kommen - Eigenverantwortung zu übernehmen statt in Opferrollen zu verfallen; sich gut um sich zu kümmern statt zu warten, dass es irgend jemand anderes tut. Wenn es uns gut geht, dann können wir alles schaffen, was auf unserem Weg liegt; dann können wir das halbvolle Glas statt das ewig halbleere fühlen. Wir sind wahrhaft wundervolle Wesen, jede einzelne von uns! Jede ist auf ihre Art schön, hat eine eigene Weisheit und ist etwas ganz Besonderes. Wenn wir das beginnen, selbst zu sehen und aus dem Herzen statt aus dem Kopf zu wissen, können es auch die anderen wahrnehmen. Wenn wir uns selber sehen, werden wir gesehen, wenn wir uns selber respektieren und ernst nehmen, dann werden wir respektiert und wenn wir uns selber lieben (auch und geraden wenn wir Fehler machen), dann werden wir geliebt <3
    Herzlich, Hanna