Ängste

 

 

Ängste sind ein Thema, das mir immer wieder auf meinem Weg begegnet.

 

Angst, es könnte etwas Bestimmtes passieren… Angst, etwas falsch zu machen… Angst, nicht zu genügen… Angst, nicht dazu zu gehören... Angst, nicht geliebt und angenommen zu werden, wie man ist… Angst, ein Kind zu verlieren… Angst vor der Angst…

 

Jeder hat seine eigene ganz individuell gefärbte Angstpalette.

 

Bis ich Kinder hatte, dachte ich, ich hätte kaum Ängste. Ich meinte, alles im Griff zu haben und stellte mich mutig Situationen, in denen ich Ängste spürte (z.B. Vorträge vor grossen Menschenmengen). Hätte mich jemand gefragt, ob ich ein ängstlicher Mensch sei, hätte ich vehement verneint. Ich hatte gelernt, mutig zu sein.

 

Schon während der Schwangerschaft mit meiner Tochter tauchten dann zaghafte erste Ängste aus meinem Unterbewusstsein auf und vermehrten sich mit der Geburt Epidemie-artig. Die ganze Schwangerschaftsbetreuung durch Ärzte ist auf Risiken fokussiert, die die Ängste der Frauen bedienen. Was alles passieren kann und welche Kontrollen es braucht! Eine Geburt scheint ohne all das gar nicht möglich. Mein alles-unter-Kontrolle-Bedürfnis wurde durch die umfassende Betreuung voll gestillt. Ich fühlte mich gut aufgehoben, es war ja alles normal so. Auch die Fruchtwasseruntersuchung bei meiner ersten Schwangerschaft – weil ich schon über 35 war – leuchtete mir ein. Auch die steril-klinische Geburt mit viel Technik und Menschen, die es im Griff hatten, lief gut. Danach wurde alles erklärt und es war rund um die Uhr jemand da, den ich fragen konnte. Soweit so gut…

 

Schon die Heimfahrt ausdieser Illusionswelt war eine Tortur. Unsere bis dahin friedliche Tochter schrie sich die Seele aus dem Leib und hörte auch zu Hause nicht auf damit. Ich wurde zunehmend unruhiger und wurde mit einer vulkanartig aufwallenden Angstwelle umgehauen. So ging es dann weiter…. Ich versuchte jahrelang mit verschiedenen Kontrollfacetten, meinen persönlichen Angst-Parcours zu meistern. Ich wollte nur das Beste für mein Kind, aber ich erstickte es fast mit meinen unbewussten Ängsten, für die ich blind war. Ich hatte 6 Fehlgeburten und fragte mich warum…

 

Erst als ich annehmen konnte, dass ich unbewusste Ängste habe und den Mut aufbrachte, mich ihnen zuzuwenden, konnte ich wirklich Eigenverantwortung über mein Leben übernehmen und verstehen.

 

Es begann ein Weg des Erkennens und Lernens. Ich brachte mit 44 einen kerngesunden Jungen in einer wunderschönen Hausgeburt zur Welt.

 

Heute weiss ich, dass es vor allem unbewusste Ängste sind, die unser Leben bestimmen. Sie sind schwer zu fassen und wahrzunehmen. Sie werden von bestimmten Situationen, Anlässen, Personen etc. getriggert und bestimmen dann scheinbar unbemerkt unser Verhalten. Wir bemerken sie nicht, sind dafür blind (geworden). Solange wir sie nicht bewusst wahrnehmen, steuern sie unser Verhalten aus dem Unterbewusstsein, ohne dass wir etwas tun können.

 

Kinder haben oft ganz klare Sensoren für unsere Ängste und reagieren mit ihrem Verhalten darauf.

 

Sobald wir Ängste wahrnehmen, beginnt unser Gehirn mit ihnen nach einer erlernten Art und Weise umzugehen. Die meisten Menschen empfinden Ängste als unangenehm und verdrängen sie daher. Sie weichen aus in Aktionismus, Ablenkungen, suchen im Aussen nach Sicherheiten.

 

Es bringt leider überhaupt nichts, Ängste zu verdrängen oder ihnen auszuweichen. Sie werden dadurch nur stärker dadurch und bestimmen unser Verhalten (und auch unsere Körperreaktionen) aus dem Unterbewusstsein, ob wir es wahrnehmen oder nicht. Wir haben meinst als Kind einschlägige Erfahrungen gemacht, die zu diesem Reaktionsmuster geführt haben.

 

Ängste machen eng. Es sind extrem mächtige Gefühle. Sie steuern uns, halten uns gefangen und machen unglaubliche körperliche Symptome. Sie werden zum Antrieb unserer Entscheidungen. Sie verhindern ein vertrauensvolles Loslassen und ein freies selbstbestimmtes Leben. Sie bringen uns in eine immer enger werdende Kontrollspirale, die uns und unser Umfeld erstickt.

 

Auf die Angst gesetzter Mut ist eine Illusionsblase, die irgendwann schmerzhaft platzt, weil das Leben uns immer wieder mit unseren Ängsten berührt und es auf unserem Weg liegt, an ihnen zu wachsen. Es ist als ob es uns zu einem Entwicklungsschritt (Evolution) zwingen möchte; grösser zu werden als unsere Ängste, indem wir sie bewusst wahrnehmen lernen und liebevoll annehmen.

 

Über Ängste sind Menschen steuerbar. Unsere ganze Gesellschaft, die Medienberichterstattung und unsere Lebensgestaltung sind darauf ausgerichtet. Eine überdimensionierte Versicherungswirtschaft zeugt ebenfalls davon. Die Menschen nehmen dankbar an, was ihnen scheinbare Sicherheit bringt.

 

Es ist jedoch nur eine Illusion, denn was wir in unserem Körper gespeichert haben – und das gilt besonders für Ängste – bleibt da, bis wir es über eine Art Bewusstseinsprozess annehmen. Unser Darmgehirn lässt sich nicht täuschen. Es nimmt kleinste Resonanzen von Angst sofort auf und reagiert. Sehr sensible Menschen nehmen eine Art Stromgefühl wahr, bekommen Durchfall, werden nervös, atmen flacher, verfallen in Gedankenspiralen, fühlen einen Druck im Solar Plexus, im Herzbereich, bekommen Kopfweh oder ähnliches. Es sind all die bekannten Stressreaktionen, denn Stress wird durch (unbewusste) Ängste verursacht.

 

Der Grund ist einfach. Unser Körper bemerkt die Angst bevor wir es tun und sendet eine entsprechende Botschaft ans Darmgehirn. Das wiederum gibt einen Impuls an unser Gehirn. Es wird aufgefordert, zu reagieren. Diese feinen Prozesse laufen, bevor wir sie wahrnehmen.

 

Wenn das Gehirn gelernt hat „Angst ist schlecht.“, dann setzt es einen Verdrängungsmechanismus in Gang. Es setzt eine Art Aktionitis ein, eine Ablenkungssuche, der unbedingte Drang etwas Bestimmtes zu machen, da Adrenalin ausgeschüttet wird. Während der Körper nun beschäftigt wird, läuft unsere Körperchemie angstgesteuert weiter. Es ist ein Gefühl da, was wir nicht erlauben. Unser Gehirn gerät in ein Dilemma und reagiert mit Stress, Druck, Schmerzen etc.

 

Erst wenn wir die Angst erkennen, zulassen und bewusst annehmen, kann unser Gehirn entspannen. Es wird ein Gefühl gemeldet, das da sein „darf“. Alles ist in Ordnung für unseren Körper. Erst darüber kommen wir in die Handlungsfähigkeit, damit umzugehen.

 

Von dort ist es nur ein kleiner Schritt in die Liebe, wo sich die Angst einordnen und auflösen kann. So verliert sie ihre Macht über uns. Wir erinnern uns daran, dass Ängste wichtig sind. Sie erinnern uns an uns selbst, holen uns zurück, verbinden uns mit uns selbst.

 

So geht es Schicht für Schicht mit allen Ängsten, die unser Umfeld, bestimmte Begebenheiten, Erlebnisse oder Situationen in uns auslösen. Es ist ein schrittweises Freiwerden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara Stemmler (Dienstag, 27 September 2016 09:03)

    Jede Angst erzeugt im Körper ein Abwehrmechanismus, wie Aktivismus, Blockaden oder Gedanken in denen wir andere schlecht mach oder uns selber abwerten und gerade diese erzeugen im Körper kleine Entzündungen die in ihrer Folge zu Krankheiten werden. So stehen Krankheiten aus einem Ungleichgewicht unserer versöhnten Gefühle.