Mütter sind auch Menschen

Das Gemüse fliegt durch die Gegend, die Nudelpfanne brennt an, die Butter klebt in den Haaren… „Alles nur eine Phase“, sagt eine gute Freundin von mir.

 

Zwar habe ich kampferprobte Überlebensstrategien für solche Situationen und dennoch ist es an spannungsgeladenen Tagen eine Kunst, nicht die Nerven zu verlieren. Heute war so einer.

 

Meine Tochter (6) quasselt mal wieder wie ein Wasserfall, ohne Punkt und Komma. Alles, was ihr einfällt, sprudelt einfach aus ihr heraus, bis mir ganz schwindelig wird. Es ist ihr dabei ganz egal, ob ich staubsauge oder die Klos putze. Sie klebt an mir, redet und redet. Geduldig gebe ich ihr Antworten und mache, was eben zu machen ist. Junior (1 ½) funkt anfangs noch recht harmlos dazwischen, indem er auf mir herum klettert, wenn ich nicht aufpasse – mit der Klobürste Schränke putzt oder den Kühlschrank ausräumt und den Tisch deckt mit allem, was er irgendwo schnappen kann. Als seiner Meinung nach der Tisch „fertig“ gedeckt ist und ich immer noch anderweitig beschäftig bin, hängt er sich an mein Hosenbein und brüllt lautstark.

 

Das Anspruchslevel steigt… die Dezibel auch… Ich bleibe immer noch ruhig und gelassen. Nun beginnen beide Kinder mit Handgreiflichkeiten und ich platze. Nun brüllen wir alle Drei…

 

Hinterher tut es mir leid. Ich gehe ins Bad, schaue in den Spiegel und seufze. Nun habe ich doch schon so viel gelernt! Da sollte mir ein Platzer doch nicht mehr passieren…oder? Quatsch mit Sosse! Ich bin ein Mensch und als solcher habe ich meine Macken und menschel eben auch vor mich hin, manchmal mehr, manchmal weniger. Ich darf die Geduld verlieren, wenn es genug ist. Meine Kinder dürfen erfahren, dass Mami ihre Grenzen hat und „Stop“ sagt, wenn es zu viel ist. Und wenn sie das nicht respektieren, dann kann es eben mal einen Platzer geben.

 

Das ist Selbstliebe und bedeutet, für sich selbst zu sorgen.

 

Das habe ich lange nicht wirklich verstanden. Ich habe gemeint, ich müsse möglichst perfekt sein, eben eine „gute Mutter“ (die alles besser - im Sinne von anders – macht als ihre eigene Mutter und andere Mütter). Als ich erkannte, was für ein Bild ich mir da selbst in den Kopf gesetzt habe und welche Wahnsinnsmassstäbe ich mir mit meiner unbewussten Vorstellung der „guten Mutter“ gesetzt hatte, konnte ich mir selbst nur noch einen Vogel zeigen…und lachen. Das hilft immer und nimmt mir die Spannung. Ich lache über mich und verzeihe mir meine Macken. Die gehören eben auch dazu.

 

Ich atme also tief durch und gehe aus dem Bad zurück zu meinen Brüllmonstern. Ich übernehme die Verantwortung für mein Verhalten. Sie schauen mich an und sehen meine Veränderung. Es wird still. Ich entschuldige mich für meinen Platzer und erkläre, dass es mir einfach zu viel war und ich mich wehren musste. Ich sage, dass ich es vielleicht anders hätte ausdrücken können, aber dass ich nun mal auch Fehler mache und daraus lerne. Ich sage beiden mittlerweile zum Dahinschmelzen kulleraugig guckenden Kindern, dass ich sie lieb habe. Nach einer Pause umarmt mich meine Tochter und sagt: „Mami, Mütter sind eben auch Menschen!“ :-)

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